Doing Riot

Der Radical Chic als pure Style-Adaption ist beim besten Willen keine neue Erfindung: Zuerst benutzt von dem Journalisten Tom Wolfe im Jahr 1970, meint er die Aneignung einer aktivistisch_radikal_politisch besetzten Ästhetik – in der Regel durch reiche und_oder berühmte Leute.

Dabei kann das Spektrum sehr weit sein: Von vermeintlichen (let’s be real: islamistischen) Terrorist_innen bis zu Linksextremist_innen werden die typische Codes gerne mal zum apolitischen Mode-Accessoire derjenigen, die gern edgy on purpose sind. Diese Enteignung von Symbolen passiert nicht nur durch Celebrities, sondern auch von Personen aus der Mittelklasse, die gern mal so richtig rebellisch auf die Kacke hauen wollen.

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Zum Beispiel wird gerne der britischen Künstlerin_Musikproduzentin_Sängerin Mathangi „Maya“ Arulpragasam alias M.I.A. vorgeworfen, ihre Middle-Eastern-Terrorist-Ästhetik sei reines Marketing – natürlich nicht ganz falsch. Kunst entsteht in keinem sozialem Vakuum, sondern in einem kapitalistischen System. Alles, was in diesem Rahmen entsteht, ist Marketing. Und dass sie damals einen Millionären geheiratet hat, macht ihre Politik nicht weniger radikal. Wenn wir ehrlich sind, hätten die meisten von uns das gleiche getan, wenn sie gekonnt hätten. Im Angesicht ihrer Position und ihrer Biografie wäre es jedoch zu einfach, das ganze unter der Kategorie Radical Chic abzuhaken. Ich glaube vielmehr, dass ein Haufen weißer Typen jeally (neidisch) auf ihren Style und ihr Image sind und deshalb viel Scheiße über sie erzählen. An dieser Stelle sollen sich die Hater ruhig mal angesprochen fühlen.

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Stattdessen könnten ruhig mal ein paar kritischere Blicke auf whities werfen, die sich aus ihren teuren Wohnungen_Häusern mit Riot-Looks schmücken und von den Strukturen profitieren, die zur Repression von jenen führen, deren „Style“ sie imitieren. Dann würde sich vielleicht auch nicht der Markt so sehr dafür interessieren, überteuerte zerrissene Jeans und sonstiges zu produzieren. Außerdem sind politische Codes nicht nur krasse Looks, sondern auch Kommunikationsmittel in Gemeinschaften, Strategien und Erkennungszeichen politisch radikaler Gruppen. In der Regel sind es auch keine Outfits, die eins sich einfach wieder ausziehen kann, sondern die teilweise permanent sind. In diesem Fall werden aktivistische Personen immer von Repressionsorganen erkannt und sanktioniert. Da geht es eben nicht nur um Street Credibility und Props von Club-Bekanntschaften.

Aber in diesem Auftritt: Who am I to judge, selbst als linksradikale_queer_feministische dicke Person freust du dich drüber, dass es diese rebellischen Hosen in deiner Größe gibt. Bitches gotta survive somehow!

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Cap, T-Shirt und Socken: Monki; Hose: Asos Curve, Ohrringe: &otherstories, Lippenstift: Ruby Woo von M.A.C.

Fotografin: JJ Thunder.khat

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2 Gedanken zu “Doing Riot

  1. Oje, ich liebe diesen ganzen Beitag einfach soooooo sehr 😀 Voll klug und witzig und schön ist er auch noch 😉
    … dabei kann ich es gar nicht fassen, dass exakt diese Capi seit Wochen an meiner Gaderbe hängt, ohne dass ich den Mut finde sie zu tragen. Tomorrow is THE day!!

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