STYLE-CRUSH: RUDY LOEWE

English below

Eine meiner liebsten QTBPOC-Geschwister ist Rudy Loewe. Rudy ist ein_e Künstl_erin aus London, macht unter anderem tolle Zines und diese wunderbaren T-Shirts, süße Selfies und richtig gute Scherze. Als ich ihn_sie zum ersten Mal traf, war ich beeindruckt, wie gut eine Person vier verschiedene Muster miteinander kombinieren kann, weil ich mich oft nicht traue, einen Print-Clash zu machen. Zum Beispiel auch, weil ich als dicke Person einen viel schmaleren Grad begehe als schlanke, wenn es darum geht, Looks zu überspitzen und dabei gut auszusehen. Seitdem wir miteinander rumhängen, fühle ich mich darin allerdings immer mehr bestärkt und auch meine große Identitätskrise wurde zum Teil durch Rudy ausgelöst: Früher trug ich viele bunte Prints, heute viel monochrom_schwarze Kleidung. Beides liebe ich und meine Garderobenständer sind auch danach getrennt. Welche dieser beiden Welten ist meine? Offensichtlich ja beide. Egal: Jetzt geht es erst mal um Rudy, die_r ich fotografiert und interviewt habe.

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Wie definierst du Mode?

Für mich sind aktuelle Trends in Kleidung und zeitgenössischer Kultur Mode.

Hat sich diese Definition im Laufe der Jahre geändert? Wenn ja, wie?

Ich glaube, dass meine Definition mittlerweile etwas weiter gefasst ist. Das liegt wohl am Internet und der Art und Weise, in der viele Menschen mit ihm interagieren. Da denke ich an Memes und GIFs als Teil von Mode, weil diese sich ständig verändern und Trends folgen – wie es in vielen Fashionbereichen der Fall ist.

Was ist dir bei deinem Look wichtig? Gibt es irgendwas, das deinen Stil ausmacht?

Die meisten Leute, die ich kenne, würden sagen, ich lebe in Jumpsuits. Ich liebe Kleidung, die eine Kombination aus Baumwolle/Taschen/Kapuze/Muster haben. Etwas Ungewöhnliches, das alle diese Dinge beinhaltet, ist richtig großartig. Ich möchte es so bequem wie möglich haben, ohne das Leute das merken. Besonders wegen physischer und psychischer Perspektive lebe ich nach dem Motto „Je schlechter es mir geht, desto besser sehe ich aus“. Das heißt, wenn es mir nicht gut geht, trage ich eher etwas bunt gemustertes und tollen Lippenstift. Komplett schwarz bin ich außerhalb meiner Lohnarbeit selten gekleidet.

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Dein schlimmstes Fashion-Faux-Pas?

Oh mein Gott, es gibt so viele! Es kommt drauf an, wie du es betrachtest, denn meine ältere Schwester und ich haben uns über die Garderobe meiner Mutter lustig gemacht (zum Beispiel trug sie ein Maxikleid aus Lycra mit Weltraumdruck) und jetzt sind diese Dinge ja wieder voll im Trend.
Seitdem ich ein Kind bin, mache ich auch meine eigene Kleidung. Einmal nähte ich dieses Mikro-Minikleid und stickte Zitate aus Punk-Songs darauf. Mein_e Lehrer_in spottete über mich, aber ich war total stolz auf mein Werk.
Eines meiner schlimmsten Haar-Faux-Pas war ein Mittelscheitel mit einem tiefen Pferdeschwanz/Afropuff. Ich ging auf diese weißgewaschene Schule und wollte mein Haar so haben, wie es die reichen weißen Kids taten. Aber ich hab Afro-Haar und es sah scheußlich aus. Also hörte ich auf mit dem Unsinn.

Wie hilft dir Kleidung dabei, dich in einer normativen Welt auszudrücken?

Mode und Kleidung waren immer wichtige Teile meiner Welt. Meine Oma war eine Schneiderin und nähte uns Kleidung und Unterwäsche, mein Stiefvater war in seinen jungen Jahren ein Modedesigner und meine Mutter brachte mir bei zu nähen. Kleidung zu produzieren und zu tragen war immer sehr wichtig für mich. Als ich jünger war, wollte ich so viele Klamotten, die ich mir nicht leisten konnte. Der erste Rock, den ich jemals nähte, war inspiriert von dem Film „Clueless“.
Als Erwachsene_r bleibt Kleidung ein wichtiges Werkzeug um mein Gender, meine ethnische Identität und meine Queerness auszudrücken. Es ist aber auch sehr ambivalent, ich fühle mich in meiner Beziehung zum Konsumerismus sehr unwohl. Deshalb versuche ich, so viel Kleidung wie möglich selber herzustellen.

Wo besorgst du dir normalerweise deine Kleidung?

Von ganz unterschiedlichen Orten. Secondhand-Läden, Freund_innen, dem Internet, Kleidertauschen, manchmal auch aus Geschäften in der Hauptstraße. Mein Hauptziel ist es, Kleidung so billig wie möglich zu bekommen. Wenn ich viel Geld für Kleidung ausgebe, ist es meistens ein Zeichen dafür, dass ich mich gerade nicht so gut fühle.

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Was ist dir beim Aussuchen von Kleidung wichtig?

Die meisten meiner Sachen sind gebraucht. Aber wenn ich mal etwas Neues brauche, versuche ich superbillige Läden wie Primark zu vermeiden. Allerdings stelle ich auch die Ethik der meisten Neuwarenläden in Frage, wenn ich ehrlich bin. Deshalb versuche ich so viel secondhand zu kaufen, wie es eben nur geht.
Ich hab früher mal im Einzelhandel gearbeitet und herausgefunden, dass viele Designer_innen ihre Kleidung verbrennen, damit arme Leute sie nicht bekommen können (und das Luxusniveau sinkt). Ich finde es absolut widerlich. Aber viele andere Firmen schmeißen ihre Kleidung in die Tonne. Ich würde gerne einfach nur die Kleidung aus der Tonne tragen, wenn es bedeutet, dass sie nicht verlottern.

Tauscht du gern Kleidung mit Freund_innen?

Immer! Wir tauschen Kleidung, schenken sie uns gegenseitig und manchmal (eigentlich sehr selten) nähen wir uns gegenseitig mal was.

Hast du auch Style-Inspirationen?

Ich mag es wirklich sehr, Personen of Color zu sehen, die Bärte mit Lippenstiften kombinieren. Das sieht toll aus, finde ich. Mir fällt gerade kein konkretes Beispiel ein, aber ich liebe es, Beispiele Schwarzer non-conforming Androgynität und Femininität zu sehen. Ich mag nicht-binäre Femmes und Menschen, deren Körper grundsätzlich nicht durch Mainstream-Repräsentation wertgeschätzt werden, die bunte Muster tragen und sichtbar sind. Schwarze Personen generell und queere Schwarze Personen in London halten mich auf meinem Game – da denke ich viel über Haarstylings nach oder über die Art, Dinge zu kombinieren und dabei Gender und solche Sachen zu navigieren.

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Siehst du als Künstl_erin eine Verbindung zwischen Mode und Kunst?

Das klingt jetzt vielleicht prätentiös, aber ich denke, die Verbindung liegt in der Sprache und derer Visualisierung von Künstler_innen. Geschichte und Identität sind wichtige Themen in meiner Arbeit, also ist es verständlich, dass ich meine Identität auch in meinem Dress sichtbar machen möchte.


One of my dearest QTBPOC-siblings is Rudy Loewe. Rudy is an artist from London who makes for example great zines and these amazing t-shirts, cute selfies and witty jokes. When I met them for the first time I was really impressed about how someone could combine four different prints and look so on fleek. Most of the time, I don’t really dare wearing these print-clash-combinations. One of the reasons is because as a chubby person, it is often much harder to wear ~extreme looks~ and still be perceived as stylish rather than tacky. But ever since we hang out with eachother, I really feel encouraged in daring more prints (again). But it also triggered a big identity crisis: I used to wear colourful prints, now I mostly wear monochromic_all black outfits. I love both and there is a clear divison in my warderobe. Which of these worlds is mine? I mean, it’s obviously both. Anyways: This entry is about Rudy who I took pictures of and talked to.

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How do you define fashion?
I think of fashion as current trends in clothing and contemporary culture

Has your definition of the term changed for you throughout the years? If so, how?

I think that my definition has probably become more broad over the years. I think this is mostly because of the internet and the way in which many people interact with the internet now. I think of memes and gifs as part of fashion because like other areas of fashion they are quickly changing and follow trends.

What is important to you when you pick an outfit? What gives the signature to your look?

Most people I know probably think of me as living in jumpsuits. I really like clothes that have a combination of cotton/pockets/hood/pattern. Something unusual that has all of them is generally pretty great. I want to be as comfortable as possible without letting people know it. Especially because of mental and physical health things then I live by „The worse I feel, the better I look“. So when I’m not feeling great I tend to wear nice patterns and amazing lipstick. I almost never wear all black outside of my side job.

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Your worst fashion faux-pas?

Omg I have so many! It also depends how you see it because my older sister and I used to rinse my Mum so hard for the outfits she had in her wardrobe (lycra outer space print maxi dress for example) and now all those things are super fashionable again.
Since I was a kid I’ve made my own clothes. I once made this micro mini dress and then appliquéd and embroidered (badly) all these punk lyrics on them and wore it to school. My teacher really took the piss out of me but I was really impressed with myself.
One of my worst hairstyle fashion faux-pas has to be the middle parting with a low ponytail/ afropuff. I was in this whitewashed school and was trying to style my hair like these rich white kids. But I have afro hair and it just looked terrible. So glad I finally stopped with that nonsense.

How do clothes help you express yourself in a world full of normativity?

Fashion and clothing have always been an important part of my world. My Grandma was a seamstress and made clothes and underwear for us, my stepdad was a fashion designer when he was younger and my Mum taught me to sew. Making clothes as well as wearing them has always been important to me. When I was younger I wanted to make all the clothes I couldn’t afford. The first skirt I ever made was inspired by Clueless.
As an adult clothes continue to be an important part of expressing my gender, racial identity and queerness.
It’s a fine balance though, I don’t feel comfy with my relationship to consumerism, which is also why I encourage myself to make clothes.

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Where do you usually get your clothes from?

Different places- thrift shops, friends, the internet, clothes swaps, occasionally high st shops. My main goal is to get clothes as cheaply as possible. When I spend more money on clothes it tends to be more of a reflection of the fact that I wasn’t feeling good.

What is important to you when you pick a piece?

Most of my clothes are second hand. But if I am going to buy new things I avoid going to super cheap places like Primark. But to be honest, I question the ethics behind most first hand clothes, which is why I try to get them second hand as much as possible.
I used to work in retail and I found out that some designer labels will incinerate their clothes so that poor people can’t get their hands on them (and make the brand less luxurious). I think that’s absolutely disgusting. But a lot of other companies are throwing clothes in the bin. I’d happily just wear the clothes from the bin if it meant they weren’t going to waste.

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Do you ever swap clothes with friends or share a similar taste?

Always! I swap clothes with my friends, we will give things away to each other and very very occasionally make things for friends.

Any style-inspirations?

I really like seeing people of colour who have beards and wear lipstick. I think that looks great. I can’t think of anyone in particular but I love seeing examples of black non conforming androgyny and femininity. Like non binary femmes and people who’s bodies are generally under appreciated by mainstream representations, wearing bright patterns and being visible.
Black people and in particular queer black people in London keep me on my game- thinking about hairstyling, the way that people put things together, navigating gender and stuff like that.

Do you as an artist see a big link between art and fashion? If so, how?

It probably sounds pretentious but I think the link is in artists having a language and their/ our fashion being a visualisation of that. History and identity are important threads in my work so it’s understandable that I want my identity to be visible in the way I dress too.

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