STYLE-CRUSH: Raisa

English below

Als Leiterin des „Queer Femmes of Color“-Workshops lernte ich ich Raisa auf dem Cutie BPoC Festival im Juli 2015 kennen. Sie machte auf mich von Anfang an einen sympathischen Eindruck. Als ich im September in London war, durfte meine beste Freundin und ich bei ihr übernachten, so hatte ich die Gelegenheit, noch mehr Zeit mit ihr zu verbringen und mehr über sie zu erfahren. Es ist schön, gemeinsam richtig abzuhängen, wenn wir uns ohnehin auf sozialen Medien konstant unterstützen. Bei einem Besuch in ihrem Studio entstanden folgende Fotos.

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Wie definierst du persönlich Mode?

Die Modeindustrie ist eine weiße, hetero-kapitalistische Business-Krankheit in Typen-Besitz, die uns einreden will, wir wären unglücklich, damit wir mehr Kleidung kaufen, die wir nicht brauchen.

Mode ist die Kunst, Kleidung dafür zu nutzen, der gesellschaftlichen Mittelmäßigkeit und Binarität Widerstand zu leisten. Sich einzukleiden kann vieles bedeuten. Sei es politisch, überlebenswichtig, ein Femme-Panzer oder ganz einfach super auszusehen, wenn es dir scheiße geht. Es geht darum, die eigene Kreativität zu nehmen und Dinge zu schaffen, die für dich und deine Identität Mode heißen. Und es geht eben nicht darum, dass gierige Millionäre dir sagen, was du tragen sollst. Mode ist ein Widerstand dagegen. Vollständig.

Wie hat es sich über die Jahre verändert?

Auf eine Art kleide ich mich immer noch sie wie mit 17 oder 18. Vintage-Kleider aus den 60ern, viele Farben, viele Schichten, immer zwei Schals, tolle Jacken – abgesehen von den Absätzen. Ich kann sie wegen meiner Behinderung nicht tragen. Mein Femme-Panzer ist mir sehr wichtig. Wenn ich mich verletzlich oder krank fühle, sehe ich meistens am besten aus. Aber meistens trage ich 60er-Kleider, dabei sind mir aber vor allem Farben und lebhafte Muster wichtig. Neulich wurde mir bewusst, dass ich mir meine südasiatischen Wurzeln neu eineigne und dazu Kleidungseinflüsse nutze, die dazu passen, indem ich Saris auf meine eigene Art trage oder mich einfach „berechtigt“ fühle, asiatische Kleidung zu tragen, selbst wenn ich zuhause oder bei meiner Familie bin. In der Vergangenheit hingegen fühlte ich mich häufig nicht berechtigt, sowas zu tragen, weil ich zu queer oder zu liberal oder zu verwestlicht war. Ich hatte es Gefühl, es sei einfach nicht meine Kultur. Und dieser fühle ich mich heutzutage weniger enteignet.
Ein Hijab trage ich nicht, doch ich trage meistens lange, lockere Shirts oder Jacken mit langen Ärmel über langen Röcken. Ganz viele Schichten! Ich trage immer Schals. Meine Mutter hat mir beigebracht, dass du immer Schals brauchst, wo auch immer du hingehst. Er ist eine Decke, ein Tuch, eine Sitzunterlage, er kann sogar ein Schirm oder ein Schal sein. Auf diese Art habe ich schon das Gefühl, dass mein Stil mit muslimischem Modesty-Dress verbunden ist. Es hat lange gedauert, bis ich das zelebrieren konnte.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Südasiatischer Krüppel-Queer-Femme-Rüstung.

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Gibt es eine Ästhetik, die dich inspiriert?

Ich fühle mich Schnitten und Styles hingezogen, die sich auf meinem Körper gut anfühlen. Mir ist es egal, ob es zwei Stunden dauert, bis ich fertig bin. Ich brauche ein Outfit, in dem ich mich gut fühle. Meine Ästhetik soll mich also immer vor der Außenwelt schützen und mich rüsten, damit ich gut durch den Tag komme. Von Farben zu Texturen oder Make-up, alles muss gut zusammen harmonieren, ich hecke mir ein spezifisches Orchester an Elementen aus, das funktioniert und in meinem Kopf Sinn ergibt. Nur so kann ich es erklären!

Inwiefern beeinflusst dich deine Arbeit mit Stoffen als Mode-Konsumentin?

I fühle mich bunt gemusterten Stoffen und interessanten Texturen stark hingezogen. Wenn ich mal physisch shoppen gehe, was sehr selten der Fall ist, liebe ich es, die Materialien der hängenden Kleidung anzufassen. Berührung und Gefühl ist sehr wichtig.

Wie kann dir als queere Femme of Color Mode dabei helfen, dich selbst auszudrücken?

Ich war schon immer eine queere Femme, selbst als ich klein war. Es war meine Art, mich zu beschützen oder der Annahme zu trotzden, ich sollte mich irgendwo verstecken, obwohl ich gemobbt oder regelmäßig zum Schweigen gebracht wurde. Die Kleidung zu tragen, die ich trage, war eine Art, dies zu überwinden und meine eigene Macht zu zeichnen, um dieser Behandlung Widerstand zu leisten. Selbst, wenn ich gemobbt oder gesilenced wurde oder nicht in Heterofeminität passte. Meine Kleidung kann Bände sprechen, sie verhalf mir immer dabei, mich selbst und meine Identität zu behaupten. Obwohl diese Leute missbräuchlich und scheiße waren, machten sie mir immer Komplimente für meine Outfits. Diese Basic-Arschlöcher!

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Was war die schönste Mode-Erfahrung, die du je gemacht hast?

Mich in Pelz und Samt einzukleiden und zum Schwarzen Ballett zu gehen, als ich mal Freikarten geschenkt bekam. Ich fühlte mich so ausgefallen. Ich liebe es, mich gut zu kleiden. Manchmal denke ich zurück an die Zeiten als Teenagerin, als ich viel herumexperimentierte. Die Art, wie wir Kleidung damals nutzten, war immer queer femme. Keine Frage.

Wie ist deine Meinung zu Komplimenten?

Ich schäme mich, wenn Leute mir Komplimente machen, aber von anderen Femmes ist es immer eine Ehre. Sie geben mir ein gutes Gefühl. Deshalb versuche ich, die Liebe mit meinen Freund_innen so viel zu teilen, wie ich kann. Als queere Femmes of Color verdienen wir diese Bestätigung!

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I met Raisa at the Cutie BPoC Fest in July 2015 where she was instructing the „Queer Femmes of Color“-workshop. She seemed to be a delightful person to me. When I was on holidays with my best friend in London, we got to crash Raisa’s couch where we got to know each other better. It’s great to hang out in real life when you are supporting each other online all the time. When I went to her studio, I took these pictures of her.

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What is your personal definition of fashion?

The fashion industry is a white male owned hetero capitalist business disease, that wants us to feel unhappy with ourselves so we buy more boring clothes we don’t need.

Fashion is the art of using clothes to resist mediocrity and binary rules of society, a way of fashioning your self, and everything that it can mean as well, be it political, survival, femme armour, or just looking damn cute cos you feel shit inside. It’s about taking something creative that’s yours and sourcing things that mean fashion for yourself and your own identity. Not some fat billionaires telling you what to wear. Fashion is the resistance of that. Completely.

How has it changed throughout the years?

In some ways I still dress as I did when I was 17/18… Vintage 60’s dresses, lots of colours. Layering.. Always two scarfs.. And good coats..Just minus the heels.. I can’t wear heels because of my disability, and my femme armour is so important to me when I feel vulnerable or sick, is usually when I look the MOST put together. But I tend to wear less 60’s dresses, but the colour and vibrant patterns are still there. Recently though now I’ve been reclaiming a lot of my South Asian heritage and using dress influences that nod to that, wearing saris in my own way or just feeling ‚allowed‘ to wear Asian dress, even of I’m at home or with family. Whereas in the past I felt I wasn’t allowed access to that because I was queer or too ‚westernised‘ or ‚liberal‘.. I felt it wasn’t my culture to wear. I am slowly starting to feel less robbed of my culture these days.
Apart from not wearing the headscarf of Hijab, a lot of the time I like wearing long loose shirts or jackets with long sleeves over long skirts, lots of layering! And I always wear a scarf. My mother taught me that, wherever you go, you always need a scarf. It’s a blanket, it’s a towel, it’s somewhere to sit, it can even because bag or umbrella. So I feel my dress style is actually very linked with Muslim modesty. It’s taken me a while to feel comfortable about that.

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How would you describe your style?

South Asian cripp queer femme armour.. It’s my forcefield.

Is there any aesthetics that inspires you?

I am just drawn to cuts and styles that feel good on my body. I don’t care if it takes me two hours to get ready. I need an outfit to „feel“ right. So my aesthetics, is always incorporating how I feel the look is going to protect me from the outside and getting through the day… From colours to textures, to make up… They all need to work together to concoct this specific Orchestra of elements that work and make sense in my head! That’s the only way I can explain it!

How does your artistic work with fabrics affect you as a fashion-consumer?

I am very drawn to patterned fabrics and love interesting textures.. If I ever go physically shopping which is rare, I always love touching the materials of the clothes on hangers. It just feels like touch and feel is important.

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Being a queer femme of color, do you think fashion helps you expressing yourself?

I have always been a queer femme ever since I was little. It was my way of protecting myself or even defying the assumption I should just crawl away and hide, even tho I was bullied, and silenced consistently. Wearing the clothes I do, was a way to overcome that, and draw my own power in resisting that treatment. Like even if I’m bullied and silenced or didn’t fit into hetero femininity. My dress and clothing would speak volumes, it was my only way of asserting myself and identity.. And yeah even those people were shitty and ignored the abuse that was happening to me… They still complientmebted me on my clothes. Such basic ass holes.

What was the nicest fashion-experience you have made?

Dressing up in furs and velvets to go to the black ballet, this one time I got given free tomorrow tickets.. I felt so fancy. But I loved being dressed up.
Sometimes, I think back to the time I was a teenager dressing up and experimenting. The way we used clothes back then. Was always queer femme.. No question about it.

Your opinion on making compliments?

I get embarrassed receiving compliments, but from fellow femmes it’s always an honour. They do make you feel good. So I try to share the love with my friends as much as I can. As queer femmes of colour we deserve that validation!

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