STYLE-CRUSH: FANNIE SOSA

(English below)

Wer sich für Twerking oder heilende Tanzpraxis interessiert, hat sicherlich schon mal von Fannie Sosa gehört. Die in Barcelona lebende Performance-Künstlerin bietet Twerkshops an, tanzt, spricht in coolen Videos über körperliche Heilungsstrategien und ist insgesamt auch noch extrem stylisch. Ich war total glücklich, sie zu treffen, als sie in Berlin war. Wir waren in Neukölln spazieren und machten in mieser Femme-Tradition öffentlichen Raum zu unserem.

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Welche Rolle spielt Mode für dich als Performerin und Künstlerin?

Ich liebe Mode – den Selbstausdruck, das Selbermachen, das Gemeinsammachen, den Erfindungsreichtum, die Innovation, die Inspiration, den Sinn für Humor, die klare Bindung zwischen ihrer Form und der Freude junger Personen of Color, Sichtbarkeit und Autonomie. Gleichzeitig hasse ich Mode – die Diktate der Attraktivität, die extrahierende Industrie dahinter, die Respektabilitätspolitiken, das Kolumbussen und Aneignen und der Blick, der tödliche Blick. Also ist meine Beziehung zu Mode sehr ambivalent. Davon abgesehen habe ich mich immer für die Looks der Befreiung interessiert.

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Wer beeinflusst deinen Stil?

Brenda Fassie, Selena, Zora Neal Hurston, Miriam Makeba fallen mir als erstes ein. Ehrlich gesagt hat auch Nina Simone ziemlich krasse Looks hingelegt.

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Du sprichst viel darum, öffentlichen Raum zurückzuerobern. Wie machst du das mit Mode?

Ich mag es, die Lautstärke aufzudrehen. Ich sehe Karneval als heilende Praxis, als eine Art zu sagen: „Wir sind hier, wir leben leben und wir sind farblich abgestimmt“. Das ist unter den afrikanischen Diasporas in Südamerika sehr präsent und das passt in mein Verständnis von visueller Raumaneignung. Ich bin nicht hier, um basic zu sein. Ich bin hier, um gesehen zu werden. Ich bin hier um zu spielen und ich bin hier, um durch meinen Selbstausdruck Dinge zurückzuerobern. Ich denke auch, dass mein Gender sich stark innerhalb des Femme-Spektrums bewegt – das bedeutet in der Öffentlichkeit erst mal Gefahr. Ich bin immer drauf vorbereitet, angegriffen zu werden, deshalb tendiere ich dazu, alles ein bisschen taffer zu gestalten. Ich will böse aussehen.Als ob ich dich mit meinen Gelnägeln zerreißen würde, wenn du mit schlechten Absichten auf mich zukommst. Umgekehrt hilft mir diese Taffness das zu beschützen, was E. Jane „radical softness“ nennt – was für mich mit Femmeness stark verbunden ist. Ich weigere mich aus politischer Sicht, meine Softness zu vernachlässigen (Stichwort: Selbstfürsorge als Kriegskunst) und deshalb liebe ich es wie eine Femme auszusehen, der du nicht hinterherjagen willst. Gleichzeitig sende ich klare Signale der Verbundenheit an CutePocs. Die meisten meiner Looks sind ein großes #fuckyoupayme an Respektablitätspolitiken.

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Wie sieht ein healing bass (heilender Bass) Outfit für dich aus?

Hier kommt die dritte und letzte Ebene meiner Befreiungslooks dazu: I mag es femme, taff und bequem. Ich fühle mich am ehesten nach mir selbst, wenn ich mich in meinen Outfits so stark körperlich bewegen kann, wie es nur geht. Outfits, die meine Beweglichkeit nicht unterdrücken oder einschränken. Ich hasse es wirklich, dass diese Binärität zwischen Femmeness und unbequemer Kleidung existiert, eingeschränkte Bewerbung, Geschlossenheit des unteren Körpers. Ich meine, ich liebe es, ab und zu die höchsten High-Heels zu tragen und mich an diese Bewegungen anzupassen. Die meiste Zeit will ich gemütliche Flatforms tragen, in denen ich in jede Bewegung so richtig reingehen kann. Ich sitze auch gerne breitbeinig. Femmespreading.

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Als queere Person of Color, wie kommen deine Körperpolitiken mit deinem Style zusammen?

Auf einer ganz spezifischen Ebene fined ich das hinterfragen von Seriösitätspolitiken sehr wesentlich für mich. Ich arbeite mit Kindern und betone immer, dass es kein Outfit gibt, das eine Person weniger kompetent erscheinen lässt. Ich würde meinen Stil als „comfy slutty“ (gemütlich-schlampig) beschreiben, um meine_n Freund_in Nadine Artois zu zitieren. Ich mag es in der Lage zu sein, bequem und hemmungslos zu sein, aber auch jederzeit die Lautstärke hochdrehen zu können. Ich liebe Tanzflächen. Sichere, verschwitzte Tanzflächen sind meine Lieblingsspielplätze. Ich glaube wirklich, dass die Regierungen sichere Tanzflächen zur öffentlichen Verfügung stellen sollten, wie sie es mit Skateparks und Basketballplätzen tun, was übrigens traditionell hypermaskuline Orte sind und für Femmes häufig unsicher. Ich glaube, „rolezhinos“ oder Straßenfeste sind die Versuche von Schwarzen Personen, für ihre Communities sichere Orte zu schaffen. Ich liebe auch die Hitze, im Winter bin ich styletechnisch immer sehr uninspiriert. Also, was soll der Scheiß mit den vielen Schichten?

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If you’re into twerking or healing dance practices, you probably have heard of Fannie Sosa. The Barcelona-based performance-artist instructs twerkshops, dances, talks the talk about physical healing strategies and is a total babe on top of everything. I was super happy to finally get to see her in person when she was visiting in Berlin. We took a walk in Neukölln and took up some public spake, mean femme-style.

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What role does fashion play for you as a performer/an artist?

I love fashion – the self expression, the DIY, the DYT, the inventiveness, the innovation, the inspiration, the sense of humor, the clear bond between this form and queer youth of color’s joy, visibility and autonomy. But I also hate fashion – the diktats of desirability, the extractive industry behind them, respectability politcs, the columbising and the appropriating, and the gaze, the deadly gaze. So I have an ambivalent relationshop to fashion. Having said that I have always been interested in looks of liberation.

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Do you have influences in your style?

Brenda Fassie, Selena, Zora Neal Hurston, Miriam Makeba off the top of my head? Also Nina Simone tbh threw some mean looks.

You talk about reclaiming public space. How do you do that fashion-wise?

I like to turn up the volume. I feel like carnival as a healing practice, as a way to state “we are here, alive and color coordinated” , very present among the african diasporas in Latin America, somehow informs my understanding of reclaiming space visually. I am not here to be basic, I am here to be seen, I am here to play and reclaim throu my self expression. I also feel like my gender situates itself heavily in the femme spectrum, and this means danger in public space. I am always weary of being assaulted as a femme, so I tend to tuff it up. I want to look bad. Like I will cut you with my gel nail if u come towards me with ill intentions. Conversely this tuffness helpls me protect what E. Jane calls “radical softness” – for me very linked with femme-ness. I refuse to abandon my softness as a political act, (#selfcareaswarfare) and for this I like to look like a femme you do not want to predate on, while also sending out clear signs of kinship easily recognizable by CutiePocs. Also, most of my looks at this point are a big #fuckyoupayme to respectability politics.

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What does a healing bass outfit look like for you?

This is where I add the 3rd and final layer of my looks of liberation : i like it femme, tuff, and comfortable. I feel most myself in outfits where I can be as physical as I want, that do not supress or repress any range of movement at all. I really hate that there is this binary link between femmeness and umcomfortable clothing, restricted movement, lower body closedness. I mean I love to throw some highest heels on and take it from there every once in a while, but most of the times gimmie comfortable flatforms I can get down all the way in. I like to be able to sit with my legs wide open too. Femmespreading.

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As a QPOC, how do your body politics align with your style?

On a very concrete level I feel questioning respectability politics is crucial for me. I work with kids and I always express there is no outfit that should make people asume they are less competent. I guess I would define my looks as “Comfy Slutty” to quote my friend Nadine Artois. I like to be able to be comfortable and unrestrained, but also I also to feel turn up the volume at any given point. I like dancefloors? Safe, sweaty dancefloors are my playground of preference. I really believe the government shoud provide safe dancefloors as they provide skateparks or basketball courts, which btw are hypermasculine spaces traditionally unsafe for femmes. I think that “rolezinhos” or block parties are Black people’s attempt to provide that for our communities? Also I like heat, I feel like winter does not inspire me in terms of looks. Like what are layers?

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