STYLE-CRUSH: HIBAT-ULLAH KHELIFI

(Due to the lack of resources that I have to run this blog, there is no English translation for this interview.)

Hibat habe ich auf Instagram kennengelernt. Als ich ihre #RugLife-Reihe sah, konnte ich nicht aufhören zu scrollen, weil ich den Remix aus Mode und Teppichen unglaublich cool fand. Deshalb freue ich mich sehr, ein paar ihrer Bilder hier featuren zu dürfen und mit ihr geschrieben zu haben.

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Wer bist du und was machst du?

Also, ich bin so’n Mensch, der in Wien lebt, 19 Jahre ist und Hibat-Ullah Khelifi heißt. Mir fällt gerade auf, dass das eigentlich ur die philosophische Frage ist. „Wer bist du?“ Also um ehrlich zu sein, bin ich auf dem Weg das herauszufinden, ohne mich stets auf meinen Namen, mein Alter und meine Herkunft herabstufen zu lassen. Denke auch, dass so mein Sein ein ewiglanger Prozess, eine Entwicklung sein wird der sich nicht so leicht definieren lassen wird. Um dir das plastisch zu erklären: Spiegel und Fenster. Erst bediene ich mich eines Spiegels um mein Ich zu erkennen, um mich schlicht zu fragen was mich definiert und was der Sinn und Zweck meiner Existenz sein könnte; das erfordert ’ne Menge Selbstreflektion, deswegen die Metapher des Spiegels. Und dann, wenn ich das bewältigt habe, blicke ich durch das Fenster, das Tor zur Außenwelt sozusagen. Denn wie willst du deine Umwelt verstehen, wenn du nicht mal den Ursprung deines Ich’s erfasst hast?

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Und was ich so mache: studiere Politikwissenschaft und Kultur-&Sozialanthropologie an der Universität Wien. Bin eine leidenschaftliche Cineastin (okay das klingt einfach viel zu fancy. Bin einfach ein Filmefreak) und Leseratte. Zudem illustriere ich gerne Nonsense (Bilder, die für den Empfänger*in keinen Sinn ergeben) und spiele Basketball.

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Welche Rolle spielt Mode in deinem Leben?

Hmm…da steck ich voll in ’nem Zwiespalt. Einerseits versuche ich der Mode keine allzu große Beachtung zu schenken, da es nichts weiter als eine Oberflächlichkeit ist, die den Menschen gleich auf den ersten Blick „scheindefiniert“ und beurteilt, andererseits kann ich einfach nicht widerstehen das anzuziehen, was ich als schön empfinde, da die Ästhetik doch etwas ist, die sich wie ein Netzwerk durch all meine Lebensbereiche zieht. Angefangen bei Mode bishin zu Kunst, Musik und Photographie. Das heißt, ich lebe da noch etwas zwischen diesen zwei Dimensionen und versuche eben einen Mittelweg zu finden, der beides in eines zusammenfasst.

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In Zeiten wie diesen, als kopftuchtragende muslimische Frau, wird der Mode-Begriff total politisiert (eigentlich Standard, wenn wir über Frauen und Mode zu sprechen kommen) und in den öffentlichen Raum als Diskurs, der beispielsweise in Österreich oder Frankreich stattfindet, gestellt. Da ist es dann eigentlich umso wichtiger die Macht der Mode auszunutzen, als eine Form der non-verbalen Ausdrucksweise, um einfach meine Identität und meine Werte klar ersichtlich zu machen. Jedoche versuche ich da doch etwas vorsichtiger zu sein, da sich modesty (also die Bescheidenheit, Einfachkeit) nicht nur auf dein Aussehen als Muslima bezieht, sondern auch auf deine Kauf- und Vergeudungsgewohnheiten. Das heißt, hier schließt sich wieder der Kreis. Denn Mode und Modeindustrien setzen auf Konsum, Kapitalismus und Objektivierung. Im Sinne von „Kaufen kaufen kaufen, bis zum Umfallen und sich hinterher nur auf’s Äußere minimieren lassen.“ Und da das in einem krassen Widerspruch zur islamischen Wertewelt steht, versuche ich doch meiner Beziehung zur Mode bewusst zu werden und eben Wert auf die ethischen Aspekte der Produktion zu legen (deswegen gehe ich da auch meist in Secondhand-Shops oder auf babo-hipster-vintage-edgy Flohmärkte).

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Wie sieht ein typisches Outfit von dir aus?

Kommt darauf an, in welchem Mood du mich erlebst. Kann einerseits sehr minimal und in dunklen Farben (also entweder schwarz oder grau), oder aber in schrillen Statement-Details (Socken, ausgefallene Hosen mit einem komplexen Print) erfolgen. Ein Standard-Outfit ist dann meist: graues Kopftuch (meine Schwester meinte sie würde dafür sorgen, dass ich in meinem Lieblings-grauen-Kopftuch begraben werde, da ich es permanent, 24/7 durch draußen anhabe), meist ein schwarzer oder grauer Pulli mit extra langen Ärmeln ohne Print, schwarze Cord-oder Bundfaltenhose (etwas aufgekrempelt) und freshe weiße Sneakers, dazu ausgefallene Socken mit Print (Wassermelone, Pizza, Van Goghs Gemälden oder einfach nur silbernen Glitzersocken) und drüber meist eine Jeansjacke oder ein minimal geschnittene Kapuzenweste (ich steh so total auf Assassins Creed-Kapuzen).

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Was inspiriert dich in deiner Ästhetik?

Ganz schnulzig: die Fülle, Schönheit und Einmaligkeit dieses Lebens. Da ich einfach in jedem Ding, jeder Sache, gar jedem Atom etwas ästhetisch anziehbar finde, inspiriert mich ein breitgefächertes Spektrum. Das lässt sich jetzt sowohl in Werken, die von Menschenhand erschaffen wurden (Gebäude, Kunstwerke, Musik) finden, als auch in die von Gott (Natur). Mal bin ich von dem polsterähnlichen Wolken am Himmel angetan, mal sind es Fotografien von Künstler und Künstlerinnen auf Instagram, die ich beim durchscrollen entdecke. Der Effekt in beiden Sachen ist meist derselbe, außer, dass die Natur doch einen gewissen Vorsprung hat, da sie dich aufgrund ihrer Macht und Perfektion für mehrere Stunden strenger fesseln kann, als beispielsweise ein Frida Kahlo Gemälde. Gehäufterweise inspireren mich aber in letzter Zeit auch die Kultur und Kunst, also Lifestyle, des Nahen Osten. Die Instrumente, der Flair, die Ornamente, die Bauten.

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Was hat es mit der #RugLife-Reihe auf sich?

Also angefangen hat das ganze schon seit einigen Monaten und beschäftigt sich einfach mit der künstlerischen Auseinandersetzung (sei es eine digitale Zeichnung oder eine Illustration/Collage) von Menschen, entweder Porträts oder Tätigkeiten (wie beispielsweise skaten, Basketball spielen oder Musik von aus nem Ghettoblaster hören) und den traditionellen Teppichen aus Nordafrika/dem Nahen Osten (meist Tunesien oder Iran). Die Idee dahinter war: Inwiefern lässt sich der Westen mit dem Osten auf künstlerischer Basis vereinen. Und das lässt sich wiederum auf mein Leben umlegen: meine Eltern stammen aus Tunesien, ich wurde in einem westlich/europäischen Land geboren. Anstatt nun zu meinen „No roots, no country, no history“, bestrebe ich eben ein Feature aus beidem zu erstellen. Und wie kann man das besser darstellen, als mit einem Perserteppich?!?

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Als gebürtige Tunesierin ist das ein Objekt, dass dich immerwährend durch dein Leben begleiten wird, beginnend bei: Du wirst da praktisch auf so ’nem Teppich geboren; und endend bei: Du stirbst wahrscheinlich auch auf so einem Teppich. Fasziniert hat mich dabei meine verstorbene Oma (Möge Allah ihrer Seele gnadig sein), die da mitten in der Wüste auf dem Erdboden saß und aus Schafswolle einen Berberteppich mit Ottomanverzierungen knüpfte. Was mich jedes mal auf’s neue verwundert ist einfach die Komplexität dieser Muster! Man könnte sich glatt in diesen Details verlieren; da wird die Ästhetik richtig eingearbeitet.

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